Filmed Fashion

Sechs Fashion Filme haben wir uns vorgenommen, sehenswert sind sie (fast) alle.

Blow-Up (1966)
von Michelangelo Antonioni

Blow-Up

Ja er ist sehr gut. Man muss sich aber auf Blow-Up einlassen wollen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht unbedingt jeder und jederzeit möchte.
Mich hat er in eine andere Zeit versetzt. In die Zeit, in der Filme noch eine ganz andere Sprache hatten. In die Zeit, in der ich angefangen hatte Filme zu lieben. Damals sah ich Filme weniger als ein Ganzes als heute. Ich saugte gewisse Szenen ein. Bilder und Momente brannten sich ein und erfüllten mich mit grosser Begeisterung.
Blow up ist kein Film über Mode. Es ist ein Film über einen Fotografen inmitten des Londons der Swinging Sixties, gedreht IM London der Swinging Sixties, durch den man durch sollte, ohne zu viel zu wissen…
Ich fand ihn im Ganzen etwas unzugänglich und trotzdem musste ich ihn am Tag darauf gleich nochmals schauen. Denn plötzlich setzte die ganze Wirkung ein. Und wie!

“Blow-Up” auf IMDb

Pret-à-Porter (1994)
von Robert Altman

Pret-a-porter

Was genau will dieser Film sagen? Paris is full of sh**? Fashion is full of sh**? Denn gefühlt alle 10 Minuten tritt ein Protagonist in Hundekot. Hm.
Ein (Star)Auflauf ist’s, der viel zu lange im Ofen war. Weder süss noch bitter. Zu hektisch, um in seiner ganzen, oft peinlich berührenden Masse begriffen werden zu können, zu langweilig aber, um ein zweites Mal zu schauen. Bemerkenswerte Mischung. Aufgefallen ist mir, dass ich Kim Basinger eine sehr attraktive Frau finde. Trotzdem würde ich an dieser Stelle auf “Zoolander” verweisen. Der trifft wenigstens gleich beim ersten Mal irgendwohin.

Pret-à-Porter” auf IMDb

A Single Man (2009)
von Tom Ford

A-single-Man

Ein Film von wem? DER Tom Ford? Mr. Gucci? Der Mann, der so cool aussieht wie der Name klingt? TomFord-Tom Ford??
Noch verblüffter war ich dann, als ich den Film sah. Ein Traum zwischen Leere und Lebendigkeit, zwischen Schmerz und Glück. Ein Colin Firth, der schon in den ersten 10 Minuten ein Spiel zeigt, das tiefer geht als manch zuvor Gesehenes, das einem Tränen in die Augen treibt. Tränen aber, die niemals bitter sind. Im Gegenteil.
Vorsichtig und zart, leise und berauschend. Dieser Film ist ein Gedicht.

A Single Man” auf IMDb

Coco avant Chanel (2009)
von Anne Fontaine

coco-avant-chanel

Ein schnörkelloses und sehr chices Biopic, das respektvoll und mit angenehmem Schalk Chanel’s Werdegang erzählt, ihr einen authentischen Charakter zeichnet, bei ihrem Durchbruch stoppt und den Modefan mit einer freudigen Gänsehaut wieder ziehen lässt.
Der Film hat mich damals derart motiviert, dass ich gleich meine Nähmaschine aufstellen musste.
Sie war schon ein paar Jahre in meinem Schrank, die Nähmaschine meiner Grossmutter. Eine kultige grüne Elna Grasshopper aus den frühen 50ern.
Und seit “Coco avant Chanel” steht die jetzt halt so rum, einen leichten Ölgeruch versprühend. Der Geruch der Haute Couture Schneiderin ist das. Was ich schliesslich definitiv wäre, könnte ich eine Nähmaschine einfädeln.

Coco avant Chanel” auf IMDb

Saint Laurent (2014)
von Bertrand Bonello

Saint-Laurent

Die Kritiken waren gemischt für „Saint Laurent“ und ich seh jetzt auch wieso. Viele davon hab ich nach dem Film gelesen, ich hab’s gebraucht.
Dieser Film ist so berstend voll mit Farben und Kostümen, mit Schönheit und Musik, voll mit feinsten Details und trotzdem ist er leer. Leer wie ein Magentritt.
Biopics sind eine heikle Sache und obwohl ich sicher bin, dass sehr viel Respekt für die Modelegende Yves Saint Laurent vohanden war, hat Bertrand Bonello hier weniger einen Film über einen Künstler gemacht, er hat Kunst über einen Künstler gemacht. Und das muss einem bewusst sein.
Ich bin hin und hergerissen. Es ist halt schon nicht ganz das, was einem auf der Verpackung versprochen wird.
“Saint Laurent” hat aber eine unheimlich pralle und eindrückliche Bildsprache, eine mutige Erzählweise, die Ausstattung ist prächtig und mit der einen oder anderen absolut grossen Szene wird man zusätzlich belohnt.
Für Filmfans, ja. Für Saint Laurent Fans, vielleicht. Für solche die es werden wollen, eher nicht.

Saint Laurent” auf IMDb

Dior and I (2015)
von Frédéric Tcheng

dior-and-i

Ein spannender Blick hinter die Kulissen des Hauses Dior. Begleitet wird der Belgische Designer Raf Simons, der 2012 den prestigeträchtigen Posten des Creative Directors bei Dior übernahm. Simons, scheu und ein Neuling in der Haute Couture hatte zusammen mit seinem neuen Team gerade mal 8 Wochen Zeit, für das Haus seine erste Kollektion zu entwerfen.
Man kann 90 Minuten seiner Zeit echt blöder verbringen als mit dem charismatischen Simons und einem schönen Glas Wein. Aber echt blöder. Eine sehr erfrischende Sache!

Dior and I” auf IMDb

Anderer Meinung als ich? Gleicher Meinung wie ich?
Lass es uns gerne wissen!

Sabina Hofer

Oder die Antwort darauf, was einem im Leben noch bleibt, wenn man "content strategy" keine zweimal hintereinander aussprechen kann. Mit grosser Begeisterung für alles Schöne - content tragedy aus Zürich/Aarau

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